4. Organisationsstruktur, Nutzzeiten, Aufwandzeiten,


1. NUTZZEITEN (tn), AUFWANDZEITEN (ta)

Die Untersuchung von Nutzzeiten und Aufwandzeiten ist die zeitorganisatorische Fortsetzung des Wertschöpfungsproblems: Steigerung der Eigenleistung / Senkung der Personalkosten.

In operativen Organisationsstrukturen sind tagesaktuelle, reale, echte Zahlungsströme die betriebswirtschaftlichen Basisgrößen. Bilanznahe Kosten u/o Leistungen sind wegen ihrer jährlichen Periodisierung und monetär-taktischen Bewertung verzerrte Größen. Echte Zahlungsströme sind Einnahmen (Einzahlungen + Forderungszugänge) und Ausgaben (Auszahlungen + Schuldzugänge). Medizinische Tätigkeit bringt beide monetären Resultate gleichzeitig hervor, je nach dem, ob bei der Dienstleistung ihre Verursachung durch den Patienten oder der Kauf der Arbeitskraft dafür im Vordergrund steht.

DRG-Einnahmen erzeugen für das KH Nutzen, zunächst als Forderung an die Krankenkasse, dann als Einzahlung. Wegen des Zeitbezuges einer Leistung interessiert hier die erforderliche Zeitdauer medizinischer Tätigkeit. Dadurch bleibt es nicht nur im betriebswirtschaftlichen Sinne bei der Erzeugung einer Einnahme. Mit der Quotientenbildung aus Einnahme und zugehöriger Zeitdauer entsteht ein  Leistungsmaß. Diese Zeitdauer ist die …

Zeit zur Einnahmegenerierung und wird als Nutzzeit (tn) bezeichnet.

tn“ ist eine Zeitdauer, die während der (meist codierbaren) einzelnen medizinischen Tätigkeit an und für den Patienten (Anamnese, Diagnostik, Operation,…) abläuft. Die mathematische Skalierung dieser Zeitdauer ist direkt mit charakteristischen Eigenschaften medizinischer Tätigkeit verbunden und unterscheidet sich qualitativ von automatisierten Gerätelaufzeiten.

Weil der Patient nur Zeit honoriert, die seinem Interesse dient, ist patientengebundene Tätigkeitszeit für das KH Haupteinnahmequelle. Alle Kosten müssen aus dieser Leistungsquelle bezahlt werden. Je kürzer die Einzelleistungszeit ist, umso größer wird die Gesamtsumme der Leistungen pro Tag.

Eine KH-Organisation ist arbeitsteilig. Daher gibt es administrative Tätigkeiten (Dienstplan, Mitarbeitereinsatzplan, Kapazitätsplanung, Materialorganisation, …). Diesen Tätigkeitszeiten fehlt prinzipiell die Möglichkeit, in patientengebundene  Zeiten umgewandelt zu werden. Sie erzeugen ausschließlich Personalkosten, heißen deshalb „tAdm“ und gehören objektiv nicht in Organisationsstrukturen, die der Leistungssteigerung dienen sollen. Da sie z.Zt. oft mit „tn.i“ Mischzeitstrukturen bilden, sind sie zu eliminieren. Solche Kosten müssen durch Einnahmeüberschüsse getragen werden und nicht durch Prozesse, die  Einnahmen erzeugen. Wertschöpfung kann nicht zu Gunsten von Aufwand beliebig gekürzt werden. Die inhaltliche Kritik an diesem „prozessorganisatorischen Pendant“ des Gemeinkostencontrollings entspricht in etwa der der Prozesskostenrechnung (Fixkostenmanagement).

Um arbeitsteilige Tätigkeit ausführen zu können, muss Arbeitskraft gekauft werden. Der Kauf stellt für das KH finanziellen Aufwand dar. Ihm entstehen Personalausgaben. Sobald der Mitarbeiter für eine mögliche Tätigkeit zur tariflichen Arbeitszeit (tAZ) erscheint, erzeugt er im KH in Form eines Kostenblocks für diese gesamte Zeit einen finanziellen Aufwand als Schuldzugang. Die Zeit dafür ist die …

 tägliche Arbeitszeit. Sie wird tarifliche Aufwandzeit (t.AZ) genannt.

„tAZ“ ist die Anwesenheitszeit des Mitarbeiters, sodass organisatorisch die Möglichkeit besteht, medizinische Tätigkeiten ausführen zu können. Anwesenheit führt nicht kausal zur Einnahme generierenden Aktivität, sehr wohl aber zur systematischen Entstehung von Kosten. Das führt zur einfachen Aufgabenbeschreibung für gezielte Managementaktivitäten bei der Organisation des Wertschöpfungsprozesses, denn der ist kein selbststeuernder Naturprozess und Ärzte haben vorrangig medizinische Aufgaben.

PRAKTISCHE KONSEQUENZ: Die variable Gesamtheit aller einnahmeerzeugenden (medizinischen) Tätigkeitszeiten pro Tag ist eine Größe, die aktiv gesteuert werden muss. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit muss sie mit organisatorischen Mitteln verdichtet (1. Schritt) und maximiert (2. Schritt) werden, sodass das aus arbeitsrechtlichen Gründen nur in diskontinuierlich groben Abstufungen beeinflussbare Zeitvolumen möglichst nahe an sie angepasst werden kann (3. Schritt). Nur so kann der verkleinerte Fixkostenblock durch einem kompakt vergrößerten Einnahmeblock hinreichend kompensiert werden.. 

Die „tAZ ist eine arbeitsrechtliche, ganzheitliche Zeiteinheit (z.B. 8-Std-Tag). Die Dimension für die Einheit wie für deren Teile ist die Uhrzeit. Organisatorisch tritt die Einheit als tägliche Arbeitszeitregelung (Schicht, Bereitschaft, Überstunde…) in Erscheinung.

Sobald der Mitarbeiter während seiner „tAZ“ (ohne tarifl. Pausen) für die Zeit „℘“ eine einzelne Tätigkeit direkt am oder indirekt für den Patienten ausführt, heißt diese Zeitdauer „tAZ.℘“. Sie unterscheidet sich dadurch von anderen Zeitabschnitten, denen ein solcher Patientenbezug fehlt, weil die formal-arbeitsrechtliche Tätigkeitsmöglichkeit durch medizinische Aktivität in wirkliche Leistung überführt wird. Für „tAdm“ ist das prinzipiell unmöglich. Die Zeitposition der „tAZ.℘“  läßt sich mittels Uhrzeit exakt bestimmen. Für die tarifliche Zeitstruktur ist wesentlich, dass mit der Bestimmung ihrer Zeitposition zwangsläufig Zeitabstände zu den anderen Zeitabschnitten innerhalb der tAZ“ festgelegt sind. Alle „tAZ.℘“ besitzen per Definition Leistungsinhärenz. Zeitabschnitte, wo keine Patientenbindung ausgeführt wird, obwohl die Möglichkeit besteht, sind daher Leerzeiten (Leerkosten). Die mathematische Skalierung von „tAZ“ u/o „tAZ.℘“ ist an die metrischen Eigenschaften der arbeitsrechtlichen Zeitstrukturen geknüpft.

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2. BEZIEHUNGEN VON NUTZZEIT UND AUFWANDZEIT

Die Zeitdauer [Min]  einer medizinischen Tätigkeit ist für sich genommen aussageneutral. Erst ihre Einordnung in ein theoretisches Konstrukt gibt ihr eine Bedeutung.

1. Quantitative Identität in Minuten: tn.i und tAZ.℘ sind identisch in Bezug auf die Anzahl der [Min]. Beide Veränderung wurde in Minuten gemessen.

 Min(tn,i)  mit i=1…n ≡ ident ≡ Min(tAZ,℘) mit ℘=α…θ

2. Qualitative Unterschiede in der Skalierung: (tn.i) und (tAZ.℘) sind Zeiten zweier verschiedener Sachverhalte und die sind qualitativ verschieden aufgebaut. Je nach Fragestellung muss deshalb mit qualitativ verschiedenen Algorithmen gerechnet werden, damit ein adäquates, quantitatives Abbild entsteht.

PRAKTISCHE KONSEQUENZ: die durchgängige Berechnung beliebiger Zeiten mit arithmetischen  Algorithmen liefert allgemein, ganz besonders aber wenn mit mittleren bis längeren Zeiten auf Jahresperioden hochgerechnet wird, mathematisch vergrößerte, „aufgeblähte“ und damit falsche Werte. Das gilt ausdrücklich auch für die Berechnung fiktiver „Zeitkonstrukte“ zur Ermittlung des Personalbedarfs.

Quantitativ noch stärker, vor allem aber vielgestaltiger, wirken sich die „Aufblähungen“ aus, wenn mehrere solcher Werte in ein komplexes Berechnungssystem (z.B. OP-Kapazitätsberechnungen) eingehen. Sie sind dann ursächlich für die z.T. erheblichen Differenzen von  Zeitplan und Realablauf verantwortlich.

a. Zeitskalierung medizinischer Tätigkeiten:  Industrieelle Produkte sind stets von gleicher Qualität. Gleiche Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel führen zu gleichen Arbeitszeiten, gemessen als Zeitpunkt oder be­rech­net als arithmetischer Durchschnitt. Für medizinische Tätigkeiten sind diese Bedingungen nicht erfüllt.

Behandlungen werden von individuellen Ärzten an individuellen Pat­­­ient­en durchgeführt. Es entstehen Individualzeiten. Für die Zeitdauer bedeutet es, dass deren Einzelmaß (tn.i) trotz­ wiederholter, gleich­­­­art­­­iger medizinischer Tät­ig­keit nie zeit­gleich mit anderen Einzelmaßen ist. Für Gesamtheiten ist Zeitstreuung typisch, nicht der Zeitpunkt. Für eine metrischen Zeitskalierung fehlt der zeitliche „Einheits“-Maßstab (analog Urmeter), damit dessen Viel­­faches oder ein dezimaler Teil davon ge­­­mes­­sen werden kann. Patienten sind aber keine „gleich­­­en Arb­­eit­s­geg­en­stände“ und Ärzte keine „gleichen Arbeitsgeräte“.­ Eine (genormte) „Einheits-OP“, aus der sich 800 OP’s im OPS-Katalog nur als zeitliche „Vergrößerungen“ ergeben, existiert ebenso wenig, wie  „halbe“ oder „viertel“ OP’s. Welche Dimension sollte diese Einheits-OP haben? Fazit: eine metrische Skalierung ist nicht anwendbar, auch wenn es z.Zt. üblich ist, metrisch zu rechnen.

(tn,i) sind ganzheitliche Zeiten ORDINALER Skalierung,

Nicht arithmetische, sondern ORDINALE  Rechenalgorithmen sind adäquat.

Dieser Skalierungsunterschied ist keine akademische Spitzfindigkeit, sondern hat signifikante leistungssteigernde Auswirkungen.

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5. Fortsetzung: Wirtschaftliche Effekte ordinaler Tätigkeitszeiten

 

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